Sonntag, 3. Februar 2013

Den Indianer nehmt uns nicht

Zur Zeit lese ich tschick. Ist ja ziemlich schick im Moment. Der große Hype ist zwar eigentlich schon vorbei, was man daran merkt, dass das jetzt schon im Lehrerzimmer auf den Tischen rumliegt (immer ein gutes Zeichen, dass man etwas hinterher hinkt mit dem eigenen Lesevorgang, wenn im Netz schon überall didaktische Entwürfe zu der Lektüre herumgeistern - wie schlecht sie auch sein mögen). Ich bin ja nur mittelmäßig begeistert, aber das ist eine andere Frage. 
Viel wichtiger ist ja, dass sich Herrndorf eigentlich in Bezug auf die aktuelle Diskussion um die "Zensur" deutschsprachiger Kinderbücher (z.B. hier) direkt zu Astrid Lindgren und Ottfried Preußler gesellen müsste, wenn es um eine politisch korrekte Schreibe geht. Was bei Astrid Lindgren der Negerkönig und bei Ottfried Preußler das kleine Negerlein, ist bei Herrndorf der Indianer. Nun gut, es kommt kein einziger Indianer vor (ich bin noch nicht fertig, aber das vermute ich mal), der gute Maik Klingenberg sitzt nur auf einem Indianerturm. Aber ich finde, wenn wir schon politisch korrekt sein wollen, dann doch bitte auf ganzer Linie. Dann sollte der Indianerturm auch umbenannt werden in einen Nordamerikanische-Ureinwohner-Turm und die Schulfaschingsparty der letzten Woche in "Nordamerikanische-Ureinwohner und Weiße-Angelsächsiche-Protestanten"-Party. Nachdem mein halbes Studium der Amerikanistik aus der Erforschung indigener Literatur und Kultur bestand, fühle ich mich bei diesem Begriff durchaus an die Problematik erinnert und frage mich, wie weit sie geht, die politische Korrektheit. So weit, dass sich der Deutsche seinen Indianer wegnehmen lässt, offenbar nicht.

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