Freitag, 14. Dezember 2012

Vor oder hinter der Kamera

Heute hab ich meine Schüler mit meiner Kamera überrascht und die Angst stand ihnen ins Gesicht geschrieben. Das sind eben ernsthafte Abiturienten, mit denen ich es da zu tun habe, die wollen keine Youtube-Stars werden, weder mit Gangnam Style noch mit Traumnovelle 2.0. Und das respektiere ich auch. Allerdings schweren Herzens. Denn die Ergebnisse waren toll. 
Für die Schlussszene der Traumnovelle, eine Schlüsselszene der Novelle, hatte ich mir was Schönes überlegt, insbesondere im Hinblick auf die Verfilmung Eyes Wide Shut, mit der wir uns nächste Woche beschäftigen. Der Dialog zwischen Fridolin und Albertine am Ende der Geschichte lässt vieles offen und wirkt nur oberflächlich wie eine Lösung des Konflikts. Die Konsequenzen, die die beiden aus den Erlebnissen ziehen, sind ziemlich eindeutig: "Wir machen weiter wie bisher." (Was bleibt uns auch anderes übrig). Und beim Leser bleibt das Gefühl, dass nichts ausgesprochen und nichts wirklich geklärt ist - irgendwie frustrierend.
Diesen Frust galt es in kreative Energie umzuwandeln und einen alternativen Schlussdialog zwischen Fridolin und Albertine zu improvisieren. Die Ergebnisse haben wir aufgezeichnet und manches ist wirklich sehenswert. Was noch dazukommt und durchaus wichtig ist, ich hab mich amüsiert. Mein Gefühl sagt mir, der eine oder andere Fridolin, die eine oder andere Albertine und ein paar Kameramänner auch. Der Job des Kameramanns war übrigens der beliebteste, obgleich die Ergebnisse zeigen, nicht der einfachste. Aber so ist das eben. Nicht jeder mag im Leben vor der Kamera stehen. Und nicht jeder, der eine Kamera halten kann, ist auch ein Kameramann. 

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